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Alleinreisen

GO SOLO - Warum das Alleinreisen glücklich macht

Als Alleinreisende ist man schon lange keine Seltenheit mehr. Reiseblogs, Instagram und YouTube sind voll von Mutigen, die sich alleine mit dem Rucksack auf dem Rücken auf in die Welt machen. Die Reiseziele sind dabei ganz unterschiedlich. Mal ist es ein Pilgerweg in Europa, eine Städtereise oder aber auch eine Fernreise nach Asien, Südamerika oder Australien. Alles schon dagewesen, also schon mal gemacht. 

Doch warum reisen manche Menschen eigentlich allein? 

 

Ich möchte euch gerne die Gründe für meine Solo-Reisen nennen. Zu Beginn, das heißt 2015, war es ein notwendiges Übel. Ich war Single, meine Freundinnen alle nicht, was bedeutete, dass große Reisen eher mit dem Partner geplant wurden, was für mich aber auch absolut verständlich war. Dennoch wollte ich nicht aufs Reisen verzichten und habe erst einmal mit "Alleinreisen light" begonnen. 

Eine Reiterreise in Nordspanien habe ich zwar ganz alleine angetreten, vor Ort jedoch befand ich mich in einer kleinen Gruppe, mit der ich acht Tage im Sattel und bei vielen Flaschen Wein die Abende verbracht habe. 

Schon da habe ich gemerkt, dass die Tatsache alleine unterwegs zu sein, einen großen Unterschied macht. Ich war wie ein unbeschriebenes Blatt. Keiner meiner Mitreisenden kannte mich und es gab niemand, der ihnen etwas über mich erzählen konnte, bis auf mich selbst. In diesen acht Tagen war ich der Mensch, der ich sein wollte. Glücklich, unbefangen und durch niemanden, der mir nahe steht, beeinflusst. Bitte versteht mich nicht falsch. Meine Freunde und meine Familie machen keinen schlechteren Menschen aus mir, wenn sie mit mir zusammen sind. Aber ihre Anwesenheit beeinflusst mich dennoch. 

Mit meinen fremden Mitreitern konnte ich über Dinge sprechen, über die ich in Anwesenheit von Freunden oder der Familie nicht gesprochen hätte. Ich konnte völlig ich selbst sein, weil ich das Gefühl hatte, dass diese fremden Menschen keine Erwartungen an mich haben. Oder besser noch, ich ihre Erwartungen nicht enttäuschen konnte, denn nach acht Tagen würde ohnehin wieder jeder seiner Wege gehen und in sein "richtiges" Leben zurückkehren. 

 

Meine erste richtige Solo-Reise machte ich in Island. Lediglich einen Flug und einen Mietwagen habe ich im Vorfeld gebucht. Ausgestattet mit Bundeswehr-Schlafsack, Reiseführer und Karte wollte ich den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Mich in ein Abenteuer stürzen und jeden Tag aufs Neue entscheiden, wo ich am Ende des Tages sein will. 
Da ich schon von vielen Reisenden gehört und gelesen habe, dass Islands Natur einzigartig sein soll, freute ich mich vor allem auf viele gute Motive zum Filmen und Fotografieren. Ich freute mich darauf die Reise komplett in meinem Tempo durchführen zu können. Ohne Rücksicht auf eine andere Person nehmen zu müssen. Nur das Auto, die Insel und ich. 
Angst hatte ich keine. Wobei die Angst vor dem Alleinreisen meiner Meinung nach in zwei Kategorien unterteilt werden kann: 

 

1. Die Angst, dass einem etwas zustoßen könnte oder, dass man hilflos ist

2. Die Angst vor dem Alleinsein

 

Island ist ein extrem sicheres Land und wenn man nicht gerade auf einem Gletscher rumklettert, muss man sich um seine Sicherheit eigentlich keine Gedanken machen. Generell bin ich ein Mensch, der sich um solche Dinge wenig Gedanken macht. Natürlich schaue ich vor einer Reise welche Gefahren das Land oder die Gegend birgt, was man beachten und welche Tipps man beherzigen sollte. Angst vor einer Reise hatte ich dennoch nie. Vielleicht gehe ich zu naiv an die Sache, vielleicht denke ich auch nur so, weil mir noch nie etwas zugestoßen ist oder ich nie in einer Lage war, in der ich mich hilflos fühlte. 

Meiner Meinung nach ist aber die Angst vor dem Alleinsein bei den meisten ein viel größeres Problem. Denn was ist, wenn ich mich langweile auf einer Solo-Reise? Oder noch viel schlimmer, was wenn ich mich einsam fühle? 

 

Alleinreisen ist nicht nur eine Reise in ein anderes Land, es ist vor allem eine Reise zu sich selbst. Klingt jetzt erst mal sehr Hippie-mäßig, gebe ich zu. Dennoch gibt einem das Alleinreisen sehr viel Zeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Hat man schlechte Laune, kann man nicht seinen Reisepartner verantwortlich machen, genauso wenig kann man aber auch sein Glück teilen. 

Als ich in Island in einer Nacht zum ersten mal die Aurora Borealis am Himmel gesehen habe, war ich so aus dem Häuschen, dass ich sofort zum Handy greifen und all meine Freunde informieren wollte. Aber dann dachte ich, dass das mein Moment ist. Ich sitze hier in Island in meinem Schlafsack im Auto und sehe dieses unglaubliche Himmelsphänomen. Warum kann ich das nicht einfach mal nur genießen? Ich habe das Handy weggelegt, meine Nase an der eiskalten Scheibe plattgedrückt und gestaunt wie ein Kind, bis mir die Tränen liefen.

Mit sich selber klarkommen, sich selber aushalten, das macht das Alleinreisen auch aus. Und heute schätze ich das Alleinsein auf Reisen sehr. Gedanken, die ich im Alltag nicht ordnen kann, die ich mit der Arbeit, mit Hobbies, Filmen und Serien und Unternehmungen mit meinen Freunden verdränge oder aufschiebe, stehen beim Alleinreisen klopfend vor der Tür und lassen sich nicht mehr abwimmeln. Man muss die Tür aufmachen, sie hinein lassen und sich mit ihnen auseinander setzen. Nirgends wird mein Kopf so frei und meine Gedanken so geordnet wie bei einer Solo-Reise. 

 

 

 

Wer nicht allein sein will, muss nicht allein sein. Das gilt auch beim Solo-Reisen. Wenn ich in Island mal Lust auf Gesellschaft oder eine Konversation hatte, habe ich Anhalter mitgenommen, Menschen auf dem Campingplatz angesprochen oder Gruppenaktivitäten gebucht. Ich habe beim Alleinreisen übrigens mehr Kontakte geknüpft und Freunde gefunden, als bei all meinen anderen Reisen in Begleitung. 

Natürlich ist eine Reise nur mit sich selbst trotzdem nichts für jedermann. Wer aber Lust hat, sich die Welt mal allein anzusehen, der sollte seinen Mut zusammensammeln und sich trauen. Fangt klein an, testet euch mit einem Tag allein am Meer, oder einem Wandertag. Klappt das gut? Macht das Spaß? Vielleicht könnt ihr auch einen kurzen Städtetrip machen, wenn ihr euch noch nicht traut alleine draußen außerhalb der Zivilisation zu sein. Beim Alleinreisen hat so jeder seine Präferenzen. 

 

 

Seid ihr schon mal allein gereist und habt andere Erfahrungen gemacht? Habt ihr Fragen zu dem Thema? Dann freue ich mich auf eure Kommentare!

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Kommentare: 1
  • #1

    Michaela (Montag, 09 Juli 2018 20:54)

    Hallo Yvi!

    Ich war etwas von deiner Reise inspiriert auch alleine in Island für 10 Tage im Juni 2018. Wirklich Ängste hatte ich eigentlich wenige, nur ungerechtfertigte Bedenken (was ist wenn das Auto fahren zu viel wird? Machst halt ne Pause, ganz einfach!). Es war etwas knifflig meine Mutter zu überzeugen die dies teilweise mitfinanziert hat, da für sie selbst alleine wandern gehen ein No-Go ist.

    Island ist wie du weist ja das perfekte alleine Reiseziel, Sicherer geht es kaum und jeder spricht englisch und Resourcen zur Sicherheit / Unterstützung für Alleinreisende gibt es zahlreich.

    Ich fand die Isolation / Einsamkeit gleichzeitig erfrischend und problematisch, mit niemandem diskutieren was man essen/sehen/tun möchte war toll. Andererseits fehlte es mir etwas tiefengehender mit Personen zu reden, was über das typsche "Touristen Gespräch" hinausgeht, vielleicht hätte ich Anhalter mitnehmen sollen aber das war mir etwas mulmig und in meinem Toyota Yaris war nicht viel platz :(. Vielleicht nehme ich mir das mal für einen nächsten Urlaub / hier in Deutschland mal vor. Aber irgendwan gewöhnt man sich and die Stille :D

    Langeweile kam nie wirklich auf und selbst wenn dann habe ich einfach Fotos nachhause verschickt und mich über die nächsten Ziele informiert.

    Generell finde ich das Gefühl der Grenzenlosen Optionen die man hat viel überwältigender, in meiner Reise wollte ich am Anfang jede Kleinigkeit sehen und wenn ich dann nicht was gesehen hatte hatte ich Angst etwas verpasst zu haben, es hat ein paar Tage gebraucht bis das wegging und ich meinen Entscheidungen mehr vertraut habe.

    Generell ist es auch etwas eine Reiseziel Diskussion für mich, Island alleine zu machen ist etwas deutlich anderes als Indien (oder Venezuela oder andere Länder die ich nicht so sicher finde) alleine zu machen, da ich mich schon im Urlaub (mit einer Freundin in Paris) nicht sicher gefühlt habe

 

 

Schon seit meiner Kindheit fühle ich mich den Pferden verbunden und so ist es auch keine Überraschung, dass neben dem Hobby auch mein Beruf und vor allem meine Reiseziele von den Pferden bestimmt werden.

 

Auf diesem Reiseblog findet ihr Einblicke in meine Reiterreisen und die besten Urlaubs-Tipps für alle Reise- und Pferdebegeisterten.